DIN EN 15085-2 — Schweißzertifizierung im Schienenfahrzeugbau erklärt
Die DIN EN 15085-2 ist die zentrale europäische Norm für die Zertifizierung von Schweißbetrieben, die Schweißarbeiten an Schienenfahrzeugen und deren Komponenten ausführen. Sie definiert vier Zertifizierungsstufen — CL1 bis CL4 — und regelt die Anforderungen an die schweißtechnische Qualitätslenkung (WPK) je nach Sicherheitsrelevanz der gefertigten Bauteile.
1. Was ist DIN EN 15085-2?
Die DIN EN 15085-2 „Schweißen von Schienenfahrzeugen und deren Komponenten — Teil 2: Qualitätsanforderungen" wurde 2007 veröffentlicht und ersetzt die frühere DIN 6700-Reihe. Sie gilt für alle Schweißarbeiten an Schienenfahrzeugen — vom Vollbahn-Rollmaterial bis zu Straßenbahnen.
Die Norm definiert Anforderungen an: Schweißaufsichtsperson, WPS (Schweißanweisungen), WPQR (Verfahrensprüfungen), Schweißerscheine, Audit-Frequenz und Dokumentation. Im Kern geht es um die schweißtechnische Qualitätslenkung (WPK) und ihre lückenlose Nachweisbarkeit.
2. Die vier CL-Stufen im Überblick
Die CL-Stufen (Certification Levels) CL1 bis CL4 unterscheiden sich nach der Sicherheitsrelevanz der gefertigten Bauteile:
- CL1: Höchste Sicherheitsrelevanz (Personensicherheit). Beispiele: Radsatzwellen, sicherheitskritische Tragstrukturen.
- CL2: Hohe Sicherheitsrelevanz (Verfügbarkeit). Beispiele: Drehgestell-Rahmen, Haupttragwerke.
- CL3: Mittlere Sicherheitsrelevanz. Beispiele: Hilfsbaugruppen, sekundäre Strukturen.
- CL4: Niedrigste Sicherheitsrelevanz. Beispiele: nicht-sicherheitskritische Komponenten.
3. Wer muss zertifiziert sein?
Alle Schweißbetriebe, die Schweißarbeiten an Schienenfahrzeugen ausführen oder Komponenten an DB / europäische EVUs liefern, benötigen eine EN-15085-Zertifizierung. Auch Instandhaltungswerke sind betroffen, wenn sie Schweißarbeiten an Bestandsfahrzeugen durchführen.
Über die DB-Richtlinie 951.0010 macht die Deutsche Bahn die Anwendung der EN 15085-2 vertraglich für alle DB-Zulieferer verbindlich. Faktisch gilt das auch für viele kommunale Verkehrsbetriebe und private EVU.
4. Übergang ISO 3834 → EN 15085-2
Die EN 15085-2 baut auf ISO 3834 auf, geht aber in mehreren Punkten darüber hinaus: Sie verlangt eine Bahn-spezifische Schweißaufsicht (IWS/IWT/IWE), eine CL-spezifische Dokumentation und eine Audit-Frequenz, die von der CL-Stufe abhängt.
5. Audit-Frequenz und Zertifizierungsstellen
EN-15085-Audits finden je nach CL-Stufe in unterschiedlichen Intervallen statt. Üblich sind jährliche interne Audits und externe Audits alle 1–3 Jahre. Anerkannte Zertifizierungsstellen sind unter anderem SLV (Schweißtechnische Lehr- und Versuchsanstalten), TÜV, DB Systemtechnik und andere akkreditierte Stellen.
6. Pflicht-Dokumente je CL-Stufe
Pro CL-Stufe verlangt die EN 15085-2 unterschiedliche Pflicht-Dokumente:
- CL-Zertifikat (mit Gültigkeitsdauer)
- WPS-Liste (Schweißanweisungen nach ISO 15609-1)
- WPQR-Liste (Verfahrensprüfungen nach ISO 15614-1)
- Schweißerschein-Übersicht (nach ISO 9606)
- Audit-Berichte (intern + extern)
- Schweißaufsicht-Qualifikationsnachweis
7. Wie BahnSchweiß bei EN 15085-2 hilft
BahnSchweiß verwaltet alle Pflicht-Dokumente der EN 15085-2 zentral. Der CL-Klassifizierungs-Check ermittelt die richtige CL-Stufe in 3 Minuten, die WPS-/WPQR-Verwaltung trackt Geltungsbereiche und der Audit-Trail dokumentiert jede Änderung revisionssicher.
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8. Verwandte Themen im Schweiss-Norm-Trio
Die EN 15085-2 ist eng mit anderen Schweiss-Normen verzahnt. Im Schweiss-Norm-Trio finden Sie für jede Norm die passende SaaS-Plattform:
- stahlnorm.de — EN 1090-Stahlbau (für klassische Stahlbau-Komponenten)
- betonstahl-schweissen.de — EN 17660-Betonstahlschweißen (für Bewehrungsanschlüsse)
- ISO 14731 — Schweißaufsicht
- DB-Richtlinie 951.0010 — Pflichten für DB-Zulieferer